Autoreninterview mit Elke Pistor
Die Krimiautorin Elke
Pistor ist in der Eifel aufgewachsen, geprägt und der Region
bis heute eng verbunden. Abitur in Schleiden. Studium in Köln.
Nach kurzem Stopp am Niederrhein lebt sie heute in Köln, arbeitet als
freie Seminartrainerin und leitet Schreibworkshops.
Seit 2009 mordet sie sich mit dem größten Vergnügen in schriftlicher Kurz-
und Langform quer durch alle Gesellschaftsschichten, Personenkreise und
Landschaften.
Elke Pistor ist Mitglied bei den Mörderischen Schwestern, im Syndikat,
der Vereinigung deutschsprachiger Kriminalschriftsteller und im DeLiA,
der Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren.
Im Frühjahr 2011 wurde sie für den NORDMORDAWARD 2011 nominiert.
Sie ist Jurymitglied für den Friedrich-Glauser-Preis 2013 in der Sparte
Debut.
Sie finden die Autorin Elke
Pistor auch auf Facebook
Wir Lesen:
Wie kamen Sie zum Schreiben? Gab es ein Schlüsselerlebnis, welches Sie
dazu bewog?
Elke Pistor: Ja, das gab
es: Mein 40. Geburtstag. Bis dahin hatte ich zum letzten Mal im Studium
einen längeren Text verfasst. Aber diese Zahl ist ein wenig gemein, weil
man anfängt, zu überlegen, was man noch alles machen könnte, bevor man
alt und grau wird. Bei mir war es die Entscheidung für einen VHS Kurs
„Kreatives Schreiben“. In der Hauptsache habe ich es gewählt, weil ich
etwas machen wollte, was keinerlei sittlichen Nährwert in Form von Verdienst
oder Nutzen für meine Familie besaß. So gesehen, hat mich der pure Egoismus
zum Schreiben gebracht.
Wir Lesen:
Können Sie uns ein lustiges Erlebnis zu einer Ihrer Autorenlesung berichten?
Elke Pistor: Zu meinen Lesungen
bringe ich immer einen Gegenstand mit, der etwa mit dem Buch zu tun hat.
Bei meinem ersten Eifelkrimi „Gemünder Blut“ war es ein Holzschwein aus
der Werkstatt des Nationalparks. Dieses Schwein ist das „Ministerschwein“,
weil es vom damals amtierenden NRW-Umweltminister bei einem Besuch in
der Eifel nicht mitgenommen wurde. Ich bekam es dann vom Nationalpark
und musste versprechen, es immer auf meine Lesungen mitzunehmen.
Während einer Lesung stand ich nun an einem Stehpult und das „Ministerschwein“
rutschte ständig von der schiefen Stellfläche ab. Ich fing es mehrfach
auf, bis schließlich einer der Zuhörer meinte: „Sie schreiben ja schon
sehr spannende Krimis, aber wenn Sie es jetzt noch schaffen, ein „Ministerschwein“
zu stürzen, dann sind Sie unschlagbar.“ Natürlich hatte er die Lacher
auf seiner Seite.
Wir Lesen:
Wie kamen Sie auf den Engel Halei, der aus Liebe zu Anna zum Mensch werden
wollte?
Elke Pistor: Die Steinfigur
des „Glockenschwingenden Engels“ am Petersportal des Kölner Doms brachte
mich auf die Idee, als ich auf eine Freundin wartete und mir die Frage
stellte, was wäre, wenn diese Figur nicht aus Stein, sondern ein echter
Engel wäre. Wieso säße er dann da? Was würde er machen? Davon ausgehend
habe ich recherchiert über die Bauepochen des Doms, über die Steinmetze
und das Leben im mittelalterlichen Köln. Und da ich eine Krimiautorin
bin, kam beinahe automatisch die junge Kommissarin dazu. Gerade der Wechsel
der Zeitebenen zwischen dem Heute und dem Jahr 1348 hat mir bei diesem
Buch sehr viel Freude gemacht.
Wir Lesen:
Was inspiriert Sie beim Schreiben?
Elke Pistor: Vieles. Menschen,
die ich kennenlerne und die einen besonderen Charakterzug aufweisen, der
mit auffällt; Dinge, die ich zufällig in die Hand bekomme, wie zum Beispiel
bei meinem neuen Eifelkrimi eine alte Postkarte. Aber auch Themen, wie
sie bei Anthologieausschreibungen vorgegeben werden. Dann entstehen aus
Stichworten ganze Geschichten. Gerade geistert das Wort „Friseur“ durch
meinen Kopf und die Idee zum nächsten Kurzkrimi nimmt Gestalt an. Wenn
sie dann in meinem Kopf fertig ist, kann ich mich hinsetzen und sie aufschreiben.
So funktioniert das auch mit den Romanen. Erst ist im Kopf die Struktur
fertig, dann wird die Geschichte aufgeschrieben.
Wir Lesen:
Hatten Sie schon einmal eine Schreibblockade und was haben
Sie dann dagegen getan?
Elke Pistor:
Ja, hatte und habe ich immer mal wieder. Aber mittlerweile
weiß ich den Grund – wenn ich nicht weiß, was ich schreiben soll, ist
die Geschichte noch nicht richtig ausgereift. Dann heißt es, erst mal
wieder das Kopfkino anwerfen und verschiedene Szenen durchlaufen lassen.
Das funktioniert bei mir wunderbar beim Bügeln. Was ich schon für Leichen
unter meinen Wäschebergen gefunden habe …
Ansonsten hilft mir Disziplin. Hinsetzen und schreiben. Auch auf die Gefahr
hin, vier Seiten im Anschluss in die Tonne zu hauen. Da ist es beim Schreiben
ähnlich wie beim Schwimmen: Bei den ersten Zügen hat man das Gefühl unterzugehen
wie eine Blei-Ente, aber nach zwei drei Bahnen ist man warm geschwommen
und zum Schluss ist es, als wenn man fliegt.
Wir Lesen:
Verraten Sie uns Ihren persönlichen Lieblingsschriftsteller?
Elke Pistor: Schwierig,
weil es viele Gute gibt. Wenn ein Buch es schafft, mich als Leser zu packen
und mich in die Geschichte hineinzieht, dann ist das zu diesem Zeitpunkt
mein Lieblingsbuch.
Ihr nächstes Buchprojekt
ist …
Elke Pistor: Zum einen der nagelneue Eifel-Krimi
„Luftkurmord“, der am 19.9. erscheint und mit dem ich gerade
meine Lesungstermine für 2012 plane. Zum anderen sind es ein Frauenroman
und ein neuer Köln-Mystery der im nächsten Herbst erscheinen soll. Und
dann ist da ja noch die Sache mit dem ̶t̶̶o̶̶t̶̶e̶̶n̶̶ ̶̶f̶̶r̶̶i̶̶s̶̶e̶̶u̶̶r̶
, nein, d̶̶e̶̶m̶̶ ̶̶f̶̶r̶̶i̶̶s̶̶u̶̶r̶̶e̶̶n̶̶m̶̶ö̶̶r̶̶d̶̶e̶̶r̶, oder doch
lieber ̶d̶̶e̶̶m̶̶ ̶̶t̶̶o̶̶d̶̶ ̶̶u̶̶n̶̶t̶̶e̶̶r̶̶ ̶̶d̶̶e̶̶r̶̶ ̶̶l̶̶o̶̶c̶̶k̶̶e̶̶n̶̶h̶̶a̶̶u̶̶b̶̶e̶,
ach jetzt weiß ich … Sie entschuldigen mich bitte …
Wir Lesen bedankt sich recht herzlich bei Elke Pistor für das Interview!








